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Aktualisiert: vor 23 Stunden 59 Minuten

Nachhaltige Forstwirtschaft: Zurück zur Natur, zurück zum Mischwald

6. September 2017 - 21:14

Bäume wohin das Auge blickt? Das war einmal. Das Ende der Zeiten, in denen Mitteleuropa weitestgehend von Wald bedeckt war, brach vor etwa 10.000 Jahren an. Damals gaben die Menschen ihr Jäger- und Sammler-Dasein auf, wurden sesshaft, sattelten um auf Ackerbau – und rodeten zur Gewinnung von landwirtschaftlichen Anbauflächen Wald. Das tun sie zum Teil bis heute, und wenn sie es nicht zur Gewinnung landwirtschaftlicher Nutzflächen tun, dann weil Holz ein begehrter Rohstoff ist.

Photo by Jerzy Gorecki on pixabay.com

Aktuell ist mit 11,4 Millionen Hektar noch knapp ein Drittel der Gesamtfläche Deutschlands mit Wald bedeckt. Wenn man bedenkt, dass der Wald wichtiger Bestandteil des Ökosystems, Lebensraum für Tiere, wichtiger Sauerstoffproduzent und Kohlendioxid-Speicher und nicht zuletzt Erholungsort für den gestressten modernen Menschen, ist das schon bedauerlich wenig. Doch es gibt auch Nachrichten, die hoffnungsvoll stimmen. Beispielsweise die, dass in der Bundesrepublik die Waldfläche nicht weiter ab-, sondern wieder zunimmt. In den letzten zehn Jahren immerhin um 0,4 Prozent, das entspricht rund 50.000 Hektar.

Richtig ist allerdings auch: Quantität ist nicht alles. Die typische Waldform war früher der Mischwald, der hauptsächlich aus Laubbäumen bestand. In dieser ursprünglichen Form sind bei uns nur wenige Flächenprozent des Waldes erhalten. Der Großteil der Waldflächen besteht heute aus “Forst”, das heißt, holzwirtschaftlich genutztem Baumbestand, der regelmäßig abgeholzt und wieder aufgeforstet wird. Die intensive Nutzung in Kombination mit der Nachfrage der holzverarbeitenden Industrie hat dazu geführt, dass die Forstwirtschaft schnell und grade wachsende Baumsorten bevorzugt. Da das vor allem auf Nadelbäume wie Fichte und Kiefer zutrifft, besteht der deutsche Wald, oder richtiger: der deutsche Forst, heutzutage zur Hälfte aus Nadelbäumen: 26 Prozent Fichte und 23 Prozent Kiefer.

Nadelbäume aber entsprechen nicht der heimischen Flora, und besonders großflächige und gleichaltrige Nadelbaumreinbestände bereiten große Probleme. Dazu gehören unter anderem Massenvermehrungen von Borkenkäfern und anderen Insekten, aber auch eine massive Bodenversauerung sowie eine gesteigerte Anfälligkeit für Waldbrände und Windwürfe. Dass unsere Art und Weise mit den Ressourcen unserer (Um)Welt umzugehen problematisch ist, ist kaum noch zu übersehen.

Glücklicherweise beginnt sich das Bewusstsein der Menschen langsam aber sicher zu verändern. Es wird nachhaltiger gedacht, Qualität wird wichtiger, Ursprünglichkeit und Renaturierung sind Stichworte des sich besinnenden Zeitgeistes. Auch in der Forstwirtschaft. Einer der engagiertesten Fürsprecher eines neuen Denkens in der Waldnutzung ist der ehemalige Forstbeamte Peter Wohlleben. Der Forstwirtschaftler, der sich durch sein Wissen über und sein besonderes Engagement für Bäume den Titel “Baumflüsterer” eingetragen hat, tritt für die Renaissance des Mischwaldes an.

Zu Beginn seiner beruflichen Laufbahn machte Wohlleben seien Job bei der Forstbehörde wie andere Forstbeamte auch – doch mit den Jahren änderte sich sein denken von Grund auf: Er begriff, dass Bäume fühlende Lebewesen sind, die miteinander und mit anderen Lebewesen kommunizieren, und die über eine Intelligenz verfügen und ein Sozialleben entwickeln, über das in der Öffentlichkeit kaum etwas bekannt ist. Diese Erkenntnisse wurden Wohlleben zur Verpflichtung. Er begann, Ansätze für eine neue, nachhaltige Forstwirtschaft zu sammeln und weiterzuentwickeln, zu denen ein wertschätzender Umgang mit dem Lebewesen Baum und den zahllosen anderen, kleinen bis winzigen Lebewesen des Waldes gehört. Der forstwirtschaftliche Querdenker versuchte sich Gehör zu verschaffen, musste aber bald einsehen, dass seine Forstbehörde zu sehr im alten, ökonomischen Denken verhaftet war, um jemandem mit unkonventionellen Ideen wie ihm freie Hand zu lassen. Um seines Seelenfriedens Willen und um für seine Überzeugung, für eine neue Forstwirtschaft, zu kämpfen, gab Wohlleben seinen Beamtenjob bei der Landesforstbehörde auf. Er riskierte die Arbeitslosigkeit, dachte sogar über Auswandern nach, doch seine Gemeinde Hümmel im Landkreis Ahrweiler in Rheinland-Pfalz glaubte an ihn und seine Vision: Die Hümmeler gingen das Risiko ein, stellten ihn im Gemeindeforstbetrieb (http://www.forstbetrieb-huemmel.de/forstbetrieb-seminare.html) auf eigene Rechnung als Forstwirt an – und ließen ihn machen.

Heute ist der Gemeindeforst Hümmel in der Eifel ein Vorzeigeforst in Sachen “Zurück zur Natur”. Peter Wohlleben höchstpersönlich sorgt dafür, dass aus den vorhandenen Nadelforstflächen nach und nach wieder ein Mischwald wird, und der vorhandene Mischwald nachhaltig, sprich: schonend, genutzt wird. Das heißt, in Hümmel werden nach wie vor Bäume “geerntet” und verkauft, sogenannte “Harvester” (https://www.youtube.com/watch?v=soLjGPknv2o) aber, wie sie zur Holzernte heute vielerorts eingesetzt werden, haben im Hümmeler Forst nichts mehr zu suchen. Die Begründung ist einfach und einleuchtend: Die schweren Erntemaschinen verdichten und zerstören den Waldboden auf lange Zeit. Um den Waldboden zu schonen lässt Wohlleben Fällarbeiten wieder auf traditionelle Weise von Waldarbeitern erledigen, den Abtransport leisten sogenannte “Rückepferde”.

 

 

Da diese Form der Baum-Ernte teurer ist, die Gemeindekasse aber trotz der forstwirtschaftlichen Einbußen stimmen soll, hat Wohlleben andere Erlösquellen rund um den Wald erschlossen. Dazu gehört unter anderem ein “Ruheforst”, in dem Menschen sich “ihren” Baum für ihr späteres Urnen-Begräbnis oder das Urnen-Begräbnis eines Angehörigen pachten können. Außerdem betreibt Wohlleben im Auftrag des Forstbetriebes seiner Gemeinde eine Waldakademie (https://www.waldakademie-huemmel.de/index.html), die Besuchern aktive Freizeiterlebnisse wie pädagogische Wanderungen zum Ökosystem Wald oder den Bau eines Blockhauses verkauft.

Ein ganz entscheidender Punkt der Waldakademie ist ihre Multiplikatorfunktion. In Seminaren und Workshops erklären Wohlleben und seine gleichgesinnten Kollegen privaten Waldbesitzern, Förstern und sonstigen Interessierten, wie komplex das Ökosystem Wald ist, wie man einen Mischwald entstehen lässt beziehungsweise wie man einen Mischwald gleichsam nachhaltig und gewinnbringend bewirtschaften kann. Peter Wohlleben persönlich setzt seine Popularität ein, um ein Umdenken in der Forstwirtschaft zu fördern: Der vermutlich bekannteste Förster Deutschlands hat bereits zahlreiche Bücher veröffentlicht, gibt regelmäßig Interviews für Zeitungen und Magazine und teilt sein Wissen in mehreren Fernseh-Dokumentationen, die auch über neue Medien wie Youtube Verbreitung finden.

 

 

Erfreulicherweise ist zu beobachten, dass Vorbilder wie der Hümmeler Forst Schule machen. Bundesweit hält ein neuer Geist Einzug in der Forstwirtschaft, auch Forstbehörden experimentieren mittlerweile mit nachhaltigen Modellen, auch anderswo darf der Mischwald zurückkehren. Bis die positive Veränderung sichtbar und messbar wird, wird es dauern. Bäume brauchen nun Mal Zeit um zu wachsen, besonders Laubbäume wie Buchen und Eichen. Dass das neue Denken trotzdem schon greift, lässt sich interessanterweise an anderen Veränderungen ablesen, die eher indirekt mit dem Thema “neue Waldwirtschaft” zu tun haben: “Ruheforste” wie in Hümmel sprießen wie Pilze aus dem Boden, bereits 7,5 Prozent aller in Deutschland registrierten Urnen-Bestattungen finden mittlerweile im Wald statt. Den Weg zurück zur Natur, immer mehr Menschen sind bereit ihn zu gehen.

Willpower Energy – Deutsche Erfindung macht Erdöl überflüssig

18. August 2017 - 22:04

In Rostock sitzt ein Unternehmen mit dem Namen Gensoric GmbH. Ein Projekt der Gensoric GmbH nennt sich Willpower Energy. Lars Krüger, der Geschäftsführer der Gensoric GmbH sagt: „Wir sind ein kleines, innovatives Unternehmen aus dem Rostocker Keller und haben es auf die Weltbühne eines Großkonzerns geschafft.“

Photo by Ákos Szabó on PEXELS

Klingt euphorisch, hat aber einen realen Hintergrund. Denn Innogy, eine Tochter des RWE-Konzerns, die sich mit umweltfreundlichen Lösungen bei der Energieerzeugung beschäftigt, hat den Bau einer Pilotanlage in Essen unterstützt. Über eine Methanolbrennstoffzelle will man damit Autos und ein Fahrgastschiff antreiben.

Nils Methling, der Leiter der Geschäftsentwicklung bei Gensoric, versichert: „Unser Know-how und unsere Patente machen uns erst richtig interessant für große Konzerne wie Innogy, die bemüht sind, vielversprechende Innovationen zu fördern.“ Weiterhin erklärt Methling, dass die Anlage von Gensoric laufend verbessert wird, dass man weiß, wie hoch der Aufwand in der Praxis ist und dass man bereits Kontakte zu Lieferanten geknüpft hat. Der wichtigste Punkt ist aber, dass „das Verfahren unter normalen Bedingungen funktioniert.“

 

Wie funktioniert nun die Pilotanlage von Willpower Energy?

In einem international patentierten katalytischen Prozess wird CO2 aus der Atmosphäre mithilfe von Enzymen, Wasser und grünem Strom in Methanol umgewandelt. Methanol ist klimaneutral und kann einfach gespeichert werden. Es kann zur Heizung oder zur Stromerzeugung eingesetzt werden. Willpower nutzt dabei eine Technologie der European Space Agency (ESA), mit der man CO2 aus der Atmosphäre sehr effizient gewinnen kann.

Mit der Willpower-Technologie kann man den eigenen Brennstoff für den Hausgebrauch gewinnen. Man braucht nur CO2 aus der Luft, Wasser und überschüssigen Strom

 

Wer ist die Gensoric GmbH?

Das Unternehmen kann auf mehr als 20 Jahre Forschung in der Elektrochemie zurückblicken. Der Mitbegründer Prof. Flechsig von der University of Albany (New York) lieferte die Grundlagen für die Forschungs- und Entwicklungsarbeiten von Gensoric.

 

 

Die Pilotanlage von Willpower Energy kann einiges vorweisen, was vielversprechend für eine unabhängige, autarke Zukunft ohne Erdöl sein kann.

Alle weiteren Infos zum Thema findet ihr unter: www.gensoric.com

 

Quellen: www.gensoric.com, www.dgap.de, www.nnn.de

Herzlichen Dank für den Tipp, lieber Wolfgang! ;)

Colorado: Steuereinnahmen durch Cannabis helfen Obdachlosen

22. July 2017 - 14:18

In Colorado werden Cannabissteuereinnahmen genutzt, um die örtliche obdachlose Bevölkerung zu unterstützen.

Der amerikanische Bundesstaat Colorado führt nun seit Jahren die fortschrittliche Cannabisbewegung an. Mit der Verabschiedung des ersten Gesetzes im Jahr 2014, das den Anbau und Verkauf von Cannabis als Genussmittel erlaubt, lagen alle Augen auf dem hundertjährigen Bundesstaat, um zu beobachten, wie legales Gras die örtlichen Gemeinden beeinflusst. Glücklicherweise ist Colorado mit seiner Verantwortung gut fertiggeworden und nutzt Steuereinnahmen, die durch Cannabis generiert werden, um der örtlichen obdachlosen Gemeinschaft zu helfen. Jetzt kann man dort nicht nur angesehene Cannabissorten, wie die von Sensi Seeds erwerben, sondern tut dies mit der Gewissheit, dass das in Cannabisapotheken ausgegebene Geld guten Verwendungszwecken zugeführt wird.

Photo by Esteban Lopez on Unsplash

 

1,5 Millionen Dollar bis Juni 2017

Mit über 70 Millionen Dollar Cannabiseinnahmen, die 2016 landesweit generiert wurden, hat sich die in Colorado liegende Stadt Aurora dazu entschieden, ein Drittel ihrer Gesamteinnahmen von 4,5 Millionen Dollar, Organisationen für Obdachlosen zuzusichern. Zwischen Juni 2016 und Juni 2017 hat die Stadt zugestimmt, mindestens 1,5 Millionen Dollar an Spenden verschiedenen gemeinnützigen Organisationen zu geben, die Nahrung und Unterkünfte nebst anderen Diensten zur Verfügung stellen. Über den Zeitraum von drei Jahren hat die Stadt vereinbart, eine Gesamtmenge von 3 Millionen Dollar zu spenden, um so viele wie möglich der beinahe 1.000 obdachlosen Personen in der Stadt zu unterstützen.

 

Jahre der Auseinandersetzung

Colorados Entscheidung, Cannabis zu legalisieren, war ein kontrovers geführter Kampf gegen Andersdenkende, die die Auswirkung fürchteten, die Gras auf die örtlichen Gemeinden haben würde. Was man aus Aurora lernen kann, ist dass die Gesetzgeber im Bundesstaat ihren Einfluss dazu nutzen, Steuereinnahmen guten Verwendungszwecken zuzuführen. Derzeit hat Colorados Grasindustrie landesweit die Tourismusbranche gestärkt, was darin mehr Arbeitsplätze geschaffen hat.

 

Werden andere Bundesstaaten dem Beispiel folgen?

Da mehr und mehr Bundesstaaten beginnen, Cannabis zu legalisieren und zu besteuern, ist die Frage, wo all das Geld hinfließt? Hoffentlich werden andere Regionen dem Beispiel folgen, indem sie in Organisationen investieren, die einen nützlichen und konkreten Einfluss auf Gemeinden landesweit haben. Am Ende ist das Argument für die Legalisierung von Cannabis teilweise auf dem finanziellen Gewinn begründet, der durch hochbesteuerte Produkte, einschließlich Blüten, Konzentrate und Esswaren, generiert wird.

Durch die Etablierung einer Unterscheidung von Colorados Cannabis als Genussmittel und als Arzneimittel, sind Patienten immer noch in der Lage, Gras mit einer gültigen medizinischen Marihuanakarte zu niedrigeren Kosten als Freizeitnutzer zu erwerben. Auf diese Weise wird Patienten ein einfacherer Zugang ermöglicht, während trotzdem Steuereinnahmen von jenen generiert werden, die Cannabis für das persönliche Vergnügen nutzen.

 

Fördert soziales Verhalten: Glaube an Naturgeister

30. June 2017 - 21:44

Wenn hierzulande der Bau einer größeren Infrastrukturmaßnahme stoppt, ist dem Bauherrn entweder das Geld ausgegangen, das Projekt wurde falsch geplant, oder es liegt ein anderes greifbares Hindernis vor. Wenn in Island plötzlich der Bau einer lang geplanten Straße gestoppt wird, kann das mit Naturgeistern zusammenhängen.

Bild: Michelle Spencer / unsplash.com

Alle paar Jahre gehen Meldungen durch europäische Medien, dass Isländer auf einer geplanten Straße (oder auf einer sonstigen für die Bebauung vorgesehenen Fläche) die Behausung von Naturgeistern ausgemacht haben – und sich daraufhin konsequent den Bauarbeiten in den Weg stellten. 2013/14 war es eine geplante Fernstraße, die nahe des Ortes Garðabær vorbeiführen sollte (http://www.sueddeutsche.de/panorama/naturgeister-in-island-elfen-lobby-stoppt-bauprojekt-1.1850140). Nach massiven Protesten der Anwohner, Verhaftungen und hartnäckigen Verhandlungen, wurde auch diese Strecke letztlich gebaut – allerdings erst, nachdem die Politik sich zu (bemerkenswerten) Zugeständnissen bereit erklärt hatte. Im Falle der Fernstraße bei Garðabær wurden unter anderem ganze Felsformationen umgesetzt, deren Beschaffenheit nach Einschätzung kundiger Anwohner als Behausungen von Feen zu erkennen waren.

Feen? Naturgeister? Baustopp? Für rationale Gemüter mag das einigermaßen verrückt klingen, seltsam verschroben, regelrecht weltfremd. Wer glaubt denn im Zeitalter von Smartphone und Internet noch an solche Märchen? In post-modernen westlichen Kulturen hat die Beschäftigung mit Naturgeistern nicht mehr als unterhaltenden Charakter, bestenfalls vermitteln sie uns eine Ahnung von den Vorstellungen und Ängsten unserer Vorfahren.

Auf Island aber ist der Umgang mit Naturgeistern auch heute noch fest in der Volksseele verankert, der Glaube an die beseelte Natur und ihre Geister sehr lebendig. Vor Baumaßnahmen werden deshalb nicht selten spezielle Geisterkundige engagiert, die mit den ansässigen Naturgeistern kommunizieren, um so Konflikte zu vermeiden und bei den geplanten Arbeiten Probleme wie Maschinenausfälle oder Unfälle zu verhindern (https://www.welt.de/vermischtes/article157910957/Haben-sich-hier-etwa-Elfen-an-Bauarbeitern-geraecht.html). Auf den rund 100.000 Quadratkilometern des Inselstaats gibt es vielerorts scheinbar unsinnige Straßenverläufe, bei deren Bau die Wohnstatt von Naturgeistern umgangen wurde.

Bei allem Unterhaltungswert: Die Nachrichten aus Island enthalten auch einen wichtigen Hinweis. Eine verbindlichere Beziehung zur belebten (und beseelten?) Umwelt führt offenbar dazu, dass Menschen sich verstärkt für deren Erhalt engagieren. Dass sie Bausünden verhindern, unter denen möglicherweise Naturgeister leiden würden, mit Sicherheit aber die Landschaft, die Natur – und letztlich die Menschen selbst.

Interessanterweise entspricht das Verhalten der Isländer exakt Beobachtungen, die in aktuellen Studien gemacht wurden: In Forschungsprojekten der Völkerkunde ermittelten Wissenschaftler, dass Glaube an übersinnliche Kräfte kooperatives, soziales Verhalten fördert. Die experimentellen und empirischen Daten zeigten zwar, dass sich dieses Verhalten in erster Linie auf das zwischenmenschliche Miteinander bezog. Die Ergebnisse ließen aber auch erkennen, dass der Glaube sich ebenso signifikant auf den Umgang mit der Natur auswirkt, als dessen Teil sich die Menschen empfinden.

Island
Bild: Jared Erondu / unsplash.com

Nun steht die romantisch-idealistische Naturphilosophie der Isländer, ihr “spleeniger” Glaube an Feen und Trolle, für eine Naturverbundenheit, die in Zeiten der Globalisierung rar geworden ist. Wer sich heutzutage für die Umwelt engagieren will, kauft Biolebensmitteln, wählt Ökoparteien und unterstützt mit Spenden Projekte des Naturschutzbundes. Das war´s dann aber auch schon… oder nicht?

Glücklicherweise nicht. Nicht nur in Deutschland haben Bewegungen Konjunktur, die sich bemühen, den Bezug zur beseelten Natur wieder zu beleben. Die Geomantie beispielsweise, eine westliche Harmonielehre, ähnlich dem östlichen Feng-Shui. Auch in der Geomantie gilt die Natur als belebt, und vergleichbar dem Naturgeistglaube der Isländer, gehört unter anderem der Glaube an Baumgeister dazu. Geomantiker – die praktizierenden Anhänger der Geomantie – sind bestrebt, die “geistigen, seelischen und energetischen” Faktoren eines Ortes zu erfassen. Auch in der Geomantie geht es um ein harmonisches und gesundes Wohnen und Leben, der Menschen, aber letztlich aller mit allen. Geomantiker erkennen und erspüren dafür beispielsweise so genannte “gute Plätze” in Raum und Landschaft und machen Vorschläge, wie geplante Baumaßnahmen harmonisch angepasst werden könnten. Außerdem versöhnen sie – ähnlich wie die Feen-gläubigen Isländer – im Fall der Fälle die ansässigen Naturgeister.

Nun hat es eine als “esoterisch” abgestempelte Lehre wie die Geomantie in unserer rational geprägten westlichen Welt schwer, ernst genommen zu werden. Die Harmonielehre selbst versteht sich zwar als „ganzheitliche“ Erfahrungswissenschaft. Doch da sie mit Methoden arbeitet, die nicht den etablierten und anerkannten wissenschaftlichen Kriterien genügen, gilt sie offiziell als “unwissenschaftliche esoterische Lehre” – und spielt entsprechend im öffentlichen Diskurs (bisher) keine Rolle.

Aber Zweifel hin, wissenschaftliche Kritik her: Offenkundig scheint hier doch etwas Wesentliches berührt. Sich mit der Identität eines Lebensraumes, eines Ortes oder einer Landschaft, zu beschäftigen und die erfahrene Identität durch Gestaltung, Kunst oder Raum- und Landschaftsplanung zu berücksichtigen – das ist doch zweifelsohne ein lobenswerter Ansatz. In jedem Fall ein Ansatz, der den nüchternen, oft harten und kalten Entscheidungen rein ökonomischen Denkens, etwas sehr Lebendiges, Verbindendes, ja geradezu Versöhnliches entgegensetzt. Und möglicherweise ist es genau das, was unser Planet in Zeiten einer sich zuspitzenden Gesellschafts- und Öko-Krise braucht.

 

Anders als den historisch gewachsenen Feen-Glauben kann man Geomantie lernen. Neben Ausbildungen an zahlreichen Geomantie-Schulen gibt es vielerorts geomantische Führungen und Erkundungen, lassen sich geomantische Reisen…

www.geomantie.net

 

Quellen: sueddeutsche.de, welt.de

Philippinische Seerose – von der Landplage zum Brennstoff für Millionen

8. June 2017 - 21:48

Die Philippinen sind ein Land, das reich an Seen und Flüssen ist. Diese sind von Abermillionen Seerosen bedeckt, die dort so gut gedeihen, dass sie im Allgemeinen als lästig und gefährlich gelten. Durch ihr aggressives Wachstum blockieren sie häufig Flussläufe, so dass das Wasser über die Ufer tritt und sehr oft zu verheerenden Überschwemmungen führt.

© Eric McCarty / unsplash.com

Ein Philippinisches Start-Up-Unternehmen ist dabei, eine lästige Pflanze in eine ökologische Brennstoffquelle, die die herkömmliche Holzkohle ersetzen kann, umzuwandeln. Man handelt nach folgendem Prinzip: ernte die Gefahr, trockne sie aus und du hast eine ökologische Energiequelle.

So arbeitet, vereinfacht ausgedrückt, die Firma HiGi Energy und verwandelt die Wasserhyazinthe in Holzkohle.

HiGi Energy argumentiert: „Unser Hauptanliegen ist es, die Bevölkerung mit saubererer Energie zu versorgen und gleichzeitig wollen wir das Problem mit der aggressiven Wasserhyazinthe verringern, weil hier auf den Philippinen eine Menge von Teichen und Flüssen mit der Seerose verseucht sind.“

Die Kohlebriketts von HiGi sind zwar teurer als die normale Holzkohle, aber sie erzeugen nur halb so viel Rauch und sie brennen länger.

Man hofft, die Öko-Holzkohle vor allen Dingen an Großverbraucher zu verkaufen, um die Abhängigkeit von der Holzkohle zu reduzieren, bei deren Herstellung viele Bäume gefällt werden müssen. HiGi folgert weiter: „So lange ein Bedarf besteht, haben die Menschen den Anreiz, weiterhin Bäume zu fällen, um neue Holzkohle zu produzieren. Wenn wir nun dies abstellen können, in dem wir etwas zur Herstellung verwenden, das bis jetzt als schädliche Pest wahrgenommen wird, nämlich die Wasserhyazinthe, und wir daraus etwas Wertvolles für die Filipinos, nämlich Holzkohle herstellen, haben wir unser Ziel erreicht.“

 

 

Man schätzt, dass die Hälfte der 100 Millionen Menschen auf den Philippinen zum Kochen Holzkohle verwenden. Da wäre es ein großer Fortschritt für die Umwelt, wenn sich die Bevölkerung der ökologischen Holzkohle zuwenden würde. Man schont die Wälder und reguliert das allzu aggressive Wachstum der Seerose.

 

Quelle: straitstimes.com

Herzlichen Dank für den Tipp, Dan! :)

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